Watt – Wo ist der Unterschied zwischen Radfahren und Laufen?

Training mit Watt – Wo ist der Unterschied zwischen Radfahren und Laufen?

Radfahrer trainieren schon seit mehr als 8 Jahren mit Watt. Dabei gilt je höher die Wattleistung an der individuellen, anaeroben Schwelle (IANS)1 ist, desto besser ist der Sportler oder in Zahlen ausgedrückt: 5 Watt/Kg ist das (Traum-) Ziel eines männlichen Radfahrers.

Beim Laufen mit Watt ist es nicht ganz so leicht. Gehen wir mal ins Detail

Wann erzeugen wir Watt?

Der Radfahrer hat nur 2 Zustände: nicht treten oder treten, d.h. keine Belastung (0 Watt) oder Belastung (Watt). Keine Belastung kann sowohl im Stand, wie auch beim Rollen lassen (Ebene oder Berg runter) auftreten.

nach Joel Friel

Der Läufer dagegen hat 3 Zustände: stehen (0 Watt), gehen (keine Flugphase, geringe Wattwerte) oder laufen (mit Flugphase =Schwerpunktverlagerung, höhere Wattwerte).

stehen, laufen mit 8/10/12 km/h, stehen, gehen

Während wir im Stand bei beiden Sportlern keine Belastung, also 0 Watt, haben, gibt es den Zustand des „rollen lassen“ des Radfahrers nicht beim Läufer. Der Läufer kann nicht mit keiner Belastung einen Berg herunterlaufen oder gehen. Dies gilt natürlich auch in de Ebene.

Der Rollwiderstand beeinflusst die Wattwerte des Radfahrers genauso, wie Wahl des Turnschuhs die Wattzahlen des Läufers.

Dass ein schmaler Rennradreifen, mit wenig Profil und schmaler Lauffläche, weniger Rollwiederstand erzeugt als ein grobstolliger, breiter MTB-Reifen, kann man sich sicher vorstellen. Manchmal hört man auch das laute Surren von MTB-Reifen auf asphaltierten Stercken. Grob gesagt die Wattwerte, die ein MTB-Fahrer auf ebener, asphaltierten Strecke und gleicher Geschwindigkeit aufbringen muss, im Vergleich zum Rennradfahrer, sind höher. Es gibt aber auch noch weitere Faktoren, neben dem Rollwiderstand, die die Wattwerte beeinflussen: Gegenwind, cW-Wert, Beschaffenheit des Untergrundes usw.

Die Wahl des Laufschuhs (härte der Dämpfung, Sprengung, Gewicht) beeinflusst die Wattwerte ähnlich wie beim Radfahrer der Mantel

bei 10 Km/h Mittelfuß

 

bei 12 Km/h Vorfuß

 

Das Rad ist immer rund –  der Laufstil ist immer anders

Ein wesentlicher Unterschied ist, wenn man sich mit den Wattwerten beider Sportlergruppen beschäftigt, dass ein Laufrad immer rund ist, der Laufstil eines Läufers aber absolut individuell ist:

Fersenaufsatz, Mittelfuß und Vorfußtechnik bringen den Unterschied. Wie werden die Arme gehalten: starr oder Läuferdreieck? Wie hoch (vertical osscilation) läuft man? Wie sehen die Bodenkontaktzeiten aus? Wie hoch ist die Schrittfrequenz und auch die Schrittlänge.

Ein kurzer Vergleich verschiedener Laufstiele und Armhaltungen. Details siehe unten

Marker 1:  7,2 km/h; normaler Fußaufsatz

Marker 2: 7,2 km/h; aktiver Fersenaufsatz; Watt nimmt in der Tendenz zu;

Marker 3: 7,2 km/h; aktiver Vorfußaufsatz; Watt nimmt in der Tendenz ab;

Marker 4: 9,3 km/h; aktiver Vorfußaufsatz; Watt nimmt in der Tendenz ab;

Marker 5: 9,3 km/h; aktiver Fersenaufsatz; Watt nimmt in der Tendenz zu;

Marker 6: 8,4 km/h; normaler Fußaufsatz; Werte sind diffus und schwer zu bewerten, das der Wechsel von fixierten Armen und frei schwingenden Armen zu schnell war

Marker 7: 8,4 kmh; normaler Fußaufsatz mit Korrektur der Armarbeit, d.h. kleiner Ellbogenwinkel und Bewegungsamplitude vergrößert (Kinn-Hüfte);

Die Laufökonomie macht den Unterschied

Der Läufer, welcher relativ gesehen weniger Watt erbringen muss, bei gleichem Untergrund und Geschwindigkeit, läuft ökonomischer. Das Gewicht und der Laufschuh beeinflussen diesen Parameter natürlich auch, d.h. die relative Wattleistung von 5Kg/Watt gibt es beim Laufen nicht. Ziel ist so wenig Watt aufzubringen, nicht umgekehrt.

Beeinflusst das Tageslicht die Wattleistung ?

Kurz gesagt: beim Radfahrer? Nein, beim Läufer hingegen schon. Mit der Stirnlampe läuft man wahrscheinlich unsicherer, auch wenn man die Strecke schon etliche Male gelaufen ist. Es kann aber auch der circadiane Rhythmus sein.

 

1IANS: Ermittelt wird die Leistung an der individuellen anaeroben Schwelle durch einen stufenweisen Belastungstest (Radergometer oder Laufband)